Stand: Montag, 05-Jan-2004 15:53

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RADIOSZENE EXKLUSIV INTERVIEW MIT STEPHAN SCHWENK:

Antenne Koblenz - Neuzugang bei "The Radio Group"

RADIOSZENE: Herr Schwenk, Sie haben sich in den vergangenen Jahren positioniert als sehr innovationsfreudiger Radiounternehmer, der neue Radiosender aufbaut und schlecht laufende saniert. Welche Sender gehören denn zur Zeit zu Ihrem Wirkungskreis?

Schwenk: Die Geschäftsführung bei Radio Hamburg und dem Vermarkter More steht bei mir natürlich im Fokus. Darüber hinaus bin ich Gesellschafter bei Spreeradio (42,5 %), Radio Cottbus (55%) und jetzt neu bei Antenne Koblenz (95,2 %) über The Radio Group.

RADIOSZENE: Sie gehören somit zu einigen wenigen privaten Radiomachern, die auch Radiostationen besitzen. Alle anderen Sender sind in der Hand von großen Verlagen oder Radioketten. Sehen Sie hier eine Chance?

Schwenk: Seit Beginn der Entwicklung des Privatradios 1985, war es mein Traum, eigene Radiosender zu führen. Durch diese Motivation ist es mir gelungen, Wege zu finden, die es Radiosendern ermöglicht, in einem schlechten Umfeld zu funktionieren. Ich sehe mich in keiner Weise als Konkurrent zu Großverlegern. Ich liebe das Radiomachen und freue mich, wenn Radiosender in kleinen Märkten, die für Verleger nicht lukrativ sind, funktionieren. Wir decken somit eine Nische ab, mit der andere nur Probleme hätten.

RADIOSZENE: Verbindet Sie das auch mit Sven Herzog, der ja auch als Nicht-Verleger mit der Lokalradiolizenz (Radio in Tier) besitzt und offensichtlich einem großen landesweiten Privatsender Paroli bieten kann?

Schwenk: Auch Sven Herzog hat sich als unabhängiger Lokalsender sehr gut gegen die landesweiten Radioketten behaupten können. Nicht ohne Grund reagieren die Mitbewerber sehr empfindlich auf Aktionen des Senders...

RADIOSZENE: …weswegen auch aufgrund einer Klage vom SWR der Name „Radio Trier“ in „Radio in Trier“ geändert werden mußte und Ihr neues Radio Koblenz sich ebenfalls umbenennen mußte. Lag dort die gleiche Klage vor oder war die Änderung eher prophylaktisch?

Schwenk: Wir haben uns über die Namensgebung des Senders sehr viele Gedanken gemacht. Der Name sollte auf alle Fälle den Regionalbezug zu Koblenz herstellen und kein reiner „Phantasiename“ sein, deshalb hielten wir beide Namensideen „Radio Koblenz 98.0“ sowie „Antenne Koblenz 98.0“ für sehr passend, haben uns jedoch noch nicht festgelegt. Die definitive Entscheidung, den Programmnamen Antenne Koblenz 98.0 zu verabschieden, ist erst kurz vor der Verhandlung von „Radio Trier“ entschieden worden. Es war wahrscheinlich strategisch das „Beste“, was wir tun konnten.

RADIOSZENE: Ist das der Grund der Verzögerung des Sendestarts, der ja für den 1. Dezember 2003 geplant war? Wann wird es jetzt losgehen, was für ein Format darf man auf 98.0 erwarten?

Schwenk: Die Verzögerung des Sendestarts ist der plötzlichen Kündigung des Standortes des Sendeturms der Telekom anzurechnen. Das ist schon sehr seltsam, gerade als wir loslegen wollten, standen wir ohne Sendeturm da. Zum Glück konnte durch die schnelle Unterstützung der Telekom nun ein neuer Sendestandort gefunden werden. Wir werden im Januar „on air“ geschaltet. Für den offiziellen Sendestart haben wir uns den 29. Februar vorgenommen. Besondere Momente sollten zu einem besonderen Zeitpunkt stattfinden (schmunzelt). Wir werden uns auf ein CHR Format konzentrieren, mit viel Abwechslung einem starken Regionalbezug. Da die reinen Musikformatierungen für Lokalradios mittlerweile antiquiert sind, haben wir uns für das Format „Koblenz“ entschieden.

RADIOSZENE: Wer hat die CI des Senders entworfen, wie wird das Senderlayout sich anhören, wer wird die Jingles produzieren?

Schwenk: Das Corporate Design hat der Geschäftsführer Vittorio Nobile mit der Agentur CVR aus Frankfurt erarbeitet. Die Anforderungen an das Logo waren ein einprägsames Design, schnelles Erlernen und eine hohe Wiedererkennung aufgrund einfacher, jedoch individueller Gestaltungsmerkmale, wie die Form oder die Integration der Frequenz. Was die Jingles und das Sounddesign anbelangt, befinden wir uns noch in der Screening-Phase.

RADIOSZENE: Wie wird die Personalstruktur aussehen? Wie viele Jobs wird es noch geben?

Schwenk: Ja, wir sind sehr glücklich mit Vittorio Nobile (30) einen jungen talentierten Geschäftsführer gefunden zu haben, der sehr viel Erfahrungen im Verkauf hat. Er war 5 Jahre als Verkaufsleiter bei der Agentur Gerryland in Würzburg tätig und hat zusätzlich Mediaberater von über 40 Radiosender der gesamten Bundesrepublik geschult und ausgebildet. Er ist gerade dabei, den Sender vor Ort aufzubauen und natürlich auch auf der Suche nach jungen Talenten. Personal wird auf jeden Fall gesucht, wir werden daher in Kürze Stellenanzeigen in der Radioszene schalten.

RADIOSZENE: Während in anderen Bundesländern wie Bayern von der großen Lokalradiokrise geredet wird, ist in Rheinland Pfalz eher etwas von einer neuen Lokalradio-Euphorie zu spüren. Laufen die Uhren hier anders, oder liegt es an der anderen Radioentwicklung in diesem Bundesland?

Schwenk: Selbstverständlich wissen wir, dass es nicht gerade die beste Zeit für den Aufbau neuer Medienunternehmen ist und uns auch hier nichts in den Schoß fallen wird, jedoch werden wir uns nicht von unseren Wegen abbringen lassen und alles dafür tun, einen erfolgreichen neuen Radiosender für Koblenz aufzubauen. Wir haben gezeigt, dass man auch in einem strukturschwachen Gebiet wie in Cottbus erfolgreiches Lokalradio machen kann. Dabei muss jedoch vom Grundkonzept bis hin zum Management alles passen. Es gibt nur wenige Radiomacher in Deutschland, die in der Lage sind, effektives Lokalradio zu machen. Unser Geschäftsführer Vittorio Nobile gehört ebenso dazu wie Juliane Adam in Cottbus. 99,9 Prozent der deutschen Radiobranche denkt nur in Programmkategorien und redet nur von Formaten, Jingles und Moderatoren. Der Fehler ist, dass die meisten Leute reine Programmacher sind und keine betriebswirtschaftlichen Füchse. Wirtschaftlich können wir von den US-Radiostationen hier sehr viel lernen. In Bayern und anderswo sind lokale Radiostationen von vorn herein falsch aufgebaut worden.

RADIOSZENE: Was raten Sie Deutschlands Radiomachern für 2004?

Schwenk: Habe gewußt, dass diese Frage kommt. Ich wünsche Ihnen allen natürlich ein erfolgreiches Jahr und gute wirtschaftliche Voraussetzungen. Vielleicht öfter mal was wagen, offen sein für neue Konzepte und neue Wege, über das reine Formatradio hinaus denken (Der Hörer hat es verdient!), weniger klagen, nicht stehen bleiben, sondern weiterlaufen.

RADIOSZENE: Herr Schwenk, wir bedanken uns für das Gespräch.

Links:

Radio Hamburg
Spreeradio 105.5
Radio Cottbus
Antenne Koblenz

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