Stand: Montag, 07-Jul-2008 14:44

SCHLAGZEILEN
Die wichtigsten Schlagzeilen aus der Radioszene.
Schick Dein Thema einfach an: jb@radioszene.de


Deutschland-IconInternetradio gewinnt immer mehr an Bedeutung

Die Studie „Online Radio Perspektiven“ verspricht goldene Zeiten für Internet-Radios. Im Rahmen des Workshops „I have a stream: Radioplattform Internet“ auf den Lokalrundfunktagen in Nürnberg stellte Prof. Dr. Klaus Goldhammer die Ergebnisse der Studie „Online Radio Perspektiven“ erstmals vor. Die Bayerische Landeszentrale für neue Medien (BLM) hatte die Studie in Auftrag gegeben, um Einschätzungen über die Entwicklungen des Radios im Internet zu bekommen. Gleichzeitig konnten erste Erfahrungen mit bereits laufenden Projekten präsentiert werden.

Dass Internet Radio ein stetig wachsender Markt ist, darüber sind sich alle Diskutanten der Runde einig. Wer den Wettbewerb nicht mitmacht, wird zurückbleiben. Das steht fest. Doch wird das Internet-Radio den UKW Sender künftig ersetzten? Werden wir in Zukunft den Rechner hochfahren, um Radio zu hören und nicht mehr an unserem Radiogerät die richtige Frequenz unseres Lieblingssenders suchen?


Dr. Klaus Goldhammer (Goldmedia GmbH)

„Mittlerweile“, so Goldhammer, „bietet neben den landesweiten Sendern, wo man von einer Vollversorgung sprechen kann, auch fast jeder regionale/lokale UKW-Sender ein Internetangebot an – im Gegensatz zu vor zwei Jahren, wo es lediglich 60 Prozent waren.“ Die Lokalsender seien zumeist mit 1.000 bis 5.000 Hörern pro Tag noch im Aufbau, die landesweiten erreichten im Netz bereits 15.000 bis 100.000 Hörer. Manche Internet-Only-Angebote wie z.B. „Geo-Podcast“ kommen bereits auf rund 150.000 Downloads pro Monat. Während die UKW-Verweildauer abwärts gehe, hat sich die Verweildauer bei Internetradio seit 2000 mehr als verdoppelt. So nutzen 21 Prozent aller Onliner (zumindest selten) Internetradio. Bei den 14- bis 18-Jährigen sind es schon 34 Prozent. Sie verweilen im Schnitt 98 Minuten, wobei die Mehrheit der Live-Radionutzer die Website des bereits über UKW gehörten Senders bevorzugt.

Bis zum Jahr 2012 wird es laut einer Prognose der Goldmedia GmbH 13 Millionen Onlineradionutzer in Deutschland geben und die Onlinewerbeeinnahmen für Internetradio-Angebote werden auf 19 (worst case) bis 38 Millionen Euro (best case) steigen. Trotzdem wird das Internetradio die UKW-Angebote nicht vollständig ersetzten (können).

Über den Verkauf der Endgeräte bräuchte man sich laut Goldhammer keine Sorgen zu machen. „W-LAN-Radios sind offenbar attraktive Produkte, die sich bei Tchibo ebenso wie im Versandhandel verkaufen.“ Auch bezüglich der Streaming-Kosten, die vielen Anbietern noch zu schaffen machten, zeigte er sich optimistisch: „Amerikanische Studien zeigen, dass diese Kosten bis 2015 gegen Null gehen werden. Außerdem sanken die Endkundenpreise für BB-Dienste in Deutschland von 2004 bis 2007 trotz steigender Dienstequalität um rund 17 Prozent pro Jahr. Sowohl die rapide sinkenden Streaming-Kosten für Anbieter als auch sinkende Endkundenpreise forcieren Multimediaangebot und -nutzung über das Internet.“ Zudem würden immer mehr Dienstleister ein Potenzial darin erkennen, die Streaming-Kosten zu refinanzieren.

Die Studie der Goldmedia GmbH sagt ein rasantes Wachstum der Online-Werbeausgaben voraus. Goldhammer erwartet ein durchschnittliches Wachstum der Online-Werbeumsätze in Deutschland (brutto) bis 2015 auf rund 7 Milliarden Euro. Besondere Wachstumschancen sieht Goldhammer bei den Online-Werbeeinnahmen im Bereich der Spotwerbung.


Bernhard Bahners (radio.de), Carola Gierse (Projekt Managerin Radio NRJ GmbH)

Carola Gierse, Projekt Managerin bei der Radio NRJ GmbH in Hamburg, die seit Oktober 2007 schon mit neun Internet-Only-Programmen im Netz vertreten ist, sieht die Web-Angebote nicht als Konkurrenz des bestehenden Programms: „Die Web-Angebote pushen das andere Programm. Es handelt sich hierbei eher um Parallelwelten, um eigenständige Programm mit eigenen Musikgattungen, die allesamt die Marke NRJ unterstützen.“ Eine Kannibalisierung fände nicht statt. Die Zusatzprogramme böten innovative und interessante Werbemöglichkeiten. Der Umsatz habe sich 2008 gegenüber dem Vorjahr bereits verdoppelt.


Hans-Dieter Hillmoth (Hitradio FFH, VPRT)

Hans Dieter Hillmoth fasst zusammen, welcher Gedanke alle Radiomacher vereint: „Wir suchen ja alle nach der Zukunft für Radio“. Durch das Internet, so Hillmoth, könne Radio alles bringen, Audio, Text und Video. Dem ansteigenden Wettbewerb im Online-Bereich, da stimmt Hillmoth seinen Vorrednern zu, müsse man sich stellen. Und obwohl auch Hillmoth das Internet als Ergänzung zu UKW sieht, hebt er die Bedeutung der UKW-Anbieter hervor. Er sehe keinen Verdrängungsmechanismus. Denn 65-70 Prozent der Webnutzer kämen aus dem Dunstkreis des UKW-Angebots. Radio würde demnach seine Leitfunktion behalten. Bei DIGITAL 5.1, wo laut Geschäftsführer Hillmoth die Internetangebote zunächst als Abfallprodukt bzw. Fingerübung ins Laufen gebracht wurden, verzeichnet man mittlerweile 2,5 Millionen Nutzer pro Monat. „Man muss sich der Zukunft stellen“, so Hillmoth, „auch wenn der Internetnutzer momentan noch zehnmal so viel kostet wie ein UKW-Hörer.“


Wolfgang Struber (Radio Arabella Österreich)

Auch Wolfgang Struber von Radio Arabella in Wien glaubt an ein erfolgreiches Zusammenspiel von World Wide Web und UKW. So würde Arabella Wien durch die Online-Auftritte arabella.at, herzflimmern.at und arabella-music.at unterstützt. Der Geschäftsführer Wolfgang Struber sagte: „Das Internet dient zur Verlängerung des Programms. Wir betreiben die Internet-Angebote nicht, um sie zu haben, sondern um die Reichweiten mitzunehmen, die Hörer-Senderbindung zu verstärken und um neue Hörer zu gewinnen.“ Letztlich sei es eine Möglichkeit, neue Genres und Social Networks innerhalb der Marken-Familie zu etablieren.

Welche Chancen für neue Ideen die Entwicklung im Bereich des Webradios mit sich bringt, zeigt Bernhard Bahners. Er hat mit dem Projekt radio.de eine Plattform für Radiosender entwickelt, die ihnen ermöglicht, in der weiten Onlinewelt auffindbar zu sein. radio.de versteht sich außerdem als Service für User, indem es alle Vorteile des Webradios verbindet, so Bahners: Einfachheit (mit einem klick zum stream), Vielfalt („Das Radio mit über 1000 Sendern“), Persönliches (für jeden Geschmack die richtige Musik) und Community (über facebook „einfach hören … mit Freunden“). Auch Bahners sieht, dass „Radio vor einem großem Umbruch steht“. Plattformen und Marken aufzubauen ist für ihn der Weg für UKW-Sender in eine erfolgreiche Online-Zukunft.

Bernhard Bahners kam Ende 2006 ins Madsack MediaLab, um das Projekt radio.de zu entwickeln. Radio.de soll dazu dienen, in dem Wirrwarr von tausenden Internetsendern seinen persönlichen Sender zu finden bzw. seine Marke etablieren zu können. Auch hier werden sich, so Bahners, neue Chancen in der Vermarktung durch Clusterbildung etc. ergeben.

 

Download:
Goldmedia-Studie: Online Radio Perspektiven pdf

Link:
Lokalrundfunktage Nürnberg

 
Design © 2003 by U. Köring. All Rights Reserved.
Radioformat- und Produktionsberatung,
Bahnstr. 3b, D-47551 Bedburg-Hau
  E-Mail: jb@radioszene.de
RADIOSZENE Kontakt Links Fotos Airchecks Ticker Jobs Radioforen Werbung JB Insiderszene Archiv Echte Memos Buchtipps Personalities Livestreams Billboards Claims Videos Jingles Termine Features Bitter Lemmer Pressespiegel Schlagzeilen Home